Selbstständig vs. Festanstellung

Nicht nur als Entwickler, aber auch hier, stellt sich die Frage, was ist vorzuziehen: Selbstständigkeit oder Festanstellung? Selbstständigkeit ist zunächst sehr verlockend, scheint diese einem doch viele Freiräume zu bieten, während eine Festanstellung wiederum mit dem Versprechen von mehr Sicherheit lockt. Freiraum als Selbstständiger oder mehr finanzielle Sicherheit als Angestellter? Entscheidungen, die durchaus auch von der eigenen Persönlichkeit abhängen.

Was sind die sichtbarsten Vorteile als Selbstständiger?

  • Freie Zeiteinteilung
  • Kein Boss (außer dem Kunden, wenn man so will)
  • Wenn es gut läuft, höhere Einnahmen
  • Persönlichkeitsentfaltung
  • Arbeiten, wo man mag, dank moderner technischer Hilfsmittel noch leichter

Erkennbare Nachteile der Selbstständigkeit

  • Eigene soziale Absicherung notwendig inklusive höherer Kosten für diese
  • Unsicherheit über die Zukunft
  • Schwankende Einnahmen

Demgegenüber hat ein Angestellter in der Regel geringere Kosten für die soziale Absicherung, zumal auch der Arbeitgeber einen Anteil hier übernimmt. Das Gehalt ist zunächst einmal fest und kommt pünktlich jeden 1. eines Monats auf das Konto.

Ganz so eindeutig sind diese Einschätzungen im Zeitalter von Zeitarbeit und Krisen aber auch nicht. Zudem sind viele Jobs heute schlicht schlecht bezahlt. Andererseits ist ein Gang in eine eventuelle Arbeitslosigkeit zwar bitter, aber wird zumindest für eine Zeit durch Arbeitslosengeld abgefedert, Selbstständigkeit führt dagegen direkt in Hartz IV, wenn sich der Erfolg nicht einstellt.

Hohe Kosten für Krankenkassen als Fixkosten

Ein großes Problem der Selbstständigkeit ist die soziale Absicherung. Für die Altersvorsorge ist man grundsätzlich selbst verantwortlich und es gibt niemand, der etwas dazu beiträgt. Während dies aber zunächst eher eine Zukunftssorge darstellt, sind Beiträge zur Krankenkasse ganz konkrete Jetzt-Sorgen. Wichtig zu wissen ist hier, dass man Selbstständigen zunächst grundsätzlich ein Einkommen von ca. 1900 Euro unterstellt, selbst wenn dieses nur (zum Beispiel) mal bei 1400 liegt. Während alle anderen Berufsgruppen nach dem tatsächlichen Einkommen bemessen werden, ist dies bei Selbstständigen erst ab einer gewissen Grenze der Fall. Dies ist ein Grundproblem des sozialen Netzes in diesem Land, im Moment aber einfach Fakt (oder auch traurige Wahrheit).

Antrag auf soziale Härte führt zu Entlastung

Man sollte aber wissen, dass man einen Antrag bei jeder gesetzlichen Krankenkasse auf soziale Härte stellen kann (was nicht jede KK von sich aus erzählt), womit man bei etwa 1305 Euro angesetzt wird, was eine Monatsersparnis von ca. 110 Euro ausmacht. Allerdings darf man dann auch nur ein gewisses Vermögen besitzen. Warum solch ein Antrag von einem Selbstständigen verlangt wird, aber nicht von einem normalen Angestellten entzieht sich meinem Verständnis. Als Alternative für junge Altersgruppen ohne Familienanhang bleibt hier eine private Krankenkasse, was oft deutlich billiger ist. Ändert sich natürlich im Alter und mit Familie. Aber vorübergehend und zum Start eine Lösung, die man erwägen sollte. Auch wenn die Krankenversicherungspflicht grundsätzlich eine positive Sache ist, so hat der Gesetzgeber leider die Frage offen gelassen, wie das manchmal bezahlt werden soll.  Wer ein wenig sucht wird schnell auf die Zahl von über 600.000 Selbstständigen stoßen, die mit Ihren Beiträgen in Rückstand sind…

Wie man sieht, bedeutet Selbstständigkeit zu Anfang, oder wenn es mal nicht so läuft, ein gewisses Risiko, weil Sozialausgaben anfallen, die nach bestimmten Mustern berechnet werden, selbst wenn kein Einkommen dem gegenübersteht.

Selbstständigkeit bedeutet Disziplin

Erfreulicherweise können Dinge natürlich auch gut laufen. Erzielt man ein gewisses Einkommen, dann bietet Selbstständigkeit natürlich viel Freiraum und Entwicklungspotenzial. Freiraum bedeutet aber nicht Freizeit. Tatsächlich werden die meisten Selbstständigen wesentlich mehr Stunden arbeiten als Festangestellte. Weil sie müssen, oder auch weil es einfach Spaß macht. In der Regel stellt sich letztere Frage aber gar nicht, denn hat man Aufträge und Kunden, so gilt es einfach, die Arbeit zu erledigen. Disziplin und Arbeitsfreude sind wesentliche Voraussetzungen, die man für die Selbstständigkeit mitbringen sollte. Ein Selbstständiger wird mehr Möglichkeiten haben eine freie Wochenplanung vorzunehmen, aber in der Regel wird er oft weniger Freizeit haben.

Dies wiederum ist ein eigenes Problem für sich, denn auch die Disziplin sich ein gewisses Mindestmaß an Freizeit und Erholung zu verschaffen, also neudeutsch eine gesunde Work-Life-Balance, sollte man benötigen, da ansonsten schnell sich Erschöpfung einstellt, auch wenn nicht jede Erschöpfung gleich ein Burn-out ist.

Selbstständigkeit – gut informiert sein

Ob man die Selbstständigkeit der Festanstellung vorziehen sollte, hängt stark von den eigenen Voraussetzungen und Kenntnissen ab, aber auch von der eigenen Persönlichkeit und manchmal auch von den Alternativen. Wer etwa Hartz-IV bezieht, der kann sich hiermit zumindest eine Perspektive und Hoffnung verschaffen. Bewusst sollte man sich aber sein, welche Belastungen auf einen zukommen, welche Risiken und dass es neben guten Phasen auch immer wieder schlechte Phasen gibt. Leider wird es Selbstständigen nicht wirklich leicht gemacht, hohe soziale Belastungen und auch oft wenig Unterstützung lassen einem schnell zum Schluss kommen, dass hier viel Verbesserungsbedarf besteht.

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit erwägt, der sollte sich auf jeden Fall über ALLE Rahmenbedingungen gut informieren und sich auch intensiv mit Freunden, Bekannten, aber auch neutralen Beratern (etwa IHK) austauschen und sich beraten lassen.

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