DSL via Funk – was passiert mit der Drossel?

Wer DSL via Funk hat, der kennt es: je nach Paket gibt es 10, 20 oder 30 GByte Datenvolumen in der jeweils möglichen Höchstgeschwindigkeit, meist mindestens 16 MBit/s, dann ist Schluss. Zurück in die Steinzeit: 384 KBit/s – also DSL Light. Klar, dass damit die wenigsten klarkommen: weder Familien noch Selbständige oder kleinere Betriebe. Betroffene Hauptgruppe: Betriebe und Haushalte im meist ländlichen Raum.

Gedacht war LTE oder HSPA auch als Alternative zu DSL für alle, welche auf dem Land wohnen und kein schnelles Breitband Internet via Leitung erhalten können. Es war die Auflage der ersteigernden TK Unternehmen daher zunächst – bevor man an die großen Fische, also Städte, geht, dass man zunächst die „Vergessenen“ versorgt. DSL via Funk ist also kein normaler mobiler Tarif, wie etwa die Deutsche Telekom dies gerne vertritt, sondern ein DSL Ersatz, zumindest dann, wenn sonst keine Alternative vorhanden ist. 1 MBit/s sollte eigentlich jeder Haushalt haben (was auch nicht mehr wirklich ausreichend ist). 384 KBit/s ist nach Verbrauch des sehr begrenzten Datenvolumens aber selbst von 1 MBit/s noch recht weit weg und hat mit Breitband rein gar nichts mehr zu tun. Daher hat die Telekom (und andere) nach meiner Meinung nicht wirklich erfüllt, was der Gesetzgeber wollte. Aber dies ist nur meine Meinung als verärgerter Verbraucher.

Nicht unähnlich argumentiert aber auch die Verbraucherzentrale Sachsen „Von dem gepriesenen schnellen Internet via Funk bleibt für die Verbraucher vor allem der Eindruck blumiger Werbeversprechungen. Auch die längst überfällige Verbesserung der Versorgung ländlicher Regionen mit schnellem Internet, maßgeblich auch von Politik und Bundesnetzagentur gefordert, bleibt trotz der nunmehr ausgebauten Technik weiterhin auf der Strecke„, so Frau Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Breitband, ein relativer Begriff?

Nichtsdestoweniger ist der allgemeine Lobgesang, wie viele Menschen in Deutschland angeblich einen Breitband Zugang haben, wie von Politikern, Netzagenturen u.a. gerne verbreitet (und ja eigentlich auch gefordert), eher ein theoretischer Wert. Für mich persönlich ist auch völlig unlogisch, warum die Geschwindigkeit immer weiter bei LTE angesichts knapper Datenvolumen erhöht wird, denn wem nützt 100 MBit/s, wenn nach wenigen Minuten eigentlich Schluss ist? Vielleicht gut für die Werbung, aber was hat der Anwender davon?

Netzüberlastung?

Gerne angebracht wird das Argument von der Netzüberlastung: Stellt sich nur die Frage, warum dann eben nicht am Monatsersten alle Netze sofort zusammenbrechen, wenn alle wieder mal Full-Speed haben.. Nun, gerne wird hier dann argumentiert, dass angesichts drohender Drosselung alle eben vorsichtiger sind, aber ich denke, man kann dieses Argument doch stark anzweifeln. Und zudem: Warum kann man sich Extra Speed mit neuen Datenvolumen kaufen, wenn es doch um die Netzauslastung geht? Die meisten werden erahnen, dass die Gründe eher trivialerer Natur sind.

Klar ist, dass die Beschränkungen bei der DSL Ersatz Lösung erhebliche Probleme auch für Selbständige und Betriebe im ländlichen Raum bedeuten. Mit den entsprechenden Konsequenzen für Regionen, denn mitunter bleibt eben nur die Abwanderung. Auch ein Punkt, warum es so erstaunlich ist, dass die Politik nicht handelt.

Verbraucherschutz Sachen mahnt Telekom ab

Während die Politik sich eher wenig für dieses Thema interessiert oder wieder mal unwissend ist, hat sich dagegen der Verbraucherschutz Sachen eben des Themas angenommen und der Deutschen Telekom eine Abmahnung zukommen lassen. Erste Maßnahme der Deutschen Telekom war es dann auch schnell den Begriff Flatrate einfach zu streichen – tolle und einfallsreiche Lösung. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat aber klargestellt (glücklicherweise), dass es eben nicht nur um Begrifflichkeiten geht, sondern ganz gezielt um die Drosselung. Hierfür wurde zunächst eine Frist bis zum 08. Januar eingeräumt, welche kurzfristig aber bis zum 15. Januar verlängert wurde, mit dem Hinweis, dass dies aufgrund eines neuen Gesprächsangebotes der Deutschen Telekom erfolgt sei. Dies könnte auf ein Entgegenkommen der Telekom hindeuten, muss aber nicht.

Ein Entgegenkommen wäre eigentlich auch einfach möglich, wären die meisten Anwender doch bereits mit einer einer weniger starken Drosselung, vielleicht auf 2 MBit/s zufrieden. Obwohl streng  genommen eine Gleichbehandlung mit normalen DSL Tarifen erfolgen sollte, nach meiner Meinung.

Sofern allerdings keine Einigung erfolgt, wird die Verbraucherzentrale Sachsen wohl den Gerichtsweg wählen. Hinweisen sollte man aber darauf, auch der Fairness wegen, dass die Deutsche Telekom nicht der einzige Anbieter von als DSL Ersatz gedachter Produkte ist, und auch die übrigen Anbieter bei dem Thema nicht vergessen werden sollten. Es bleibt sicher spannend.

Siehe auch die Pressemitteilungen bei www.verbraucherzentrale-sachsen.de.

 

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