Noch vor achtzehn Monaten schrieben Kritiker Google bereits ab, zumindest in Bezug auf KI. Das „Innovator’s Dilemma“ schien Alphabet voll im Griff zu haben, während OpenAI mit ChatGPT davoneilte. Doch Anfang 2026 scheint das Blatt komplett gewendet zu haben, denn mit der flächendeckenden Einführung von Gemini 3 hat Google nicht nur den technologischen Gleichstand erreicht, sondern die Konkurrenz rechts überholt – und zwar dort, wo es wehtut: bei der kommerziellen Verwertung.
1. Die Psychologie der Masse: 750 Millionen Nutzer
Zahlen lügen nicht. Mit über 750 Millionen monatlich aktiven Nutzern (MAUs) hat Google das geschafft, was reine Software-Buden nicht können: KI zum Standard-Feature eines jeden Smartphones zu machen.
Der „Seamless“-Faktor: Während man für ChatGPT eine App öffnen muss, ist Gemini 3 tief in das Android-Betriebssystem und die Google-Suche eingewebt. Es ist kein Werkzeug mehr, das man aufsucht – es ist die Umgebung, in der man sich bewegt.
Wachstumsdynamik: Ein Zuwachs von 15 % im letzten Quartal zeigt, dass die Akzeptanz in der breiten Masse (Mainstream) erst jetzt richtig explodiert, während die Konkurrenz bei den „Early Adoptern“ stagniert.
2. Die Hardware-Mauer: Warum Google billiger und schneller ist
Dies ist der Punkt, den viele Analysten unterschätzen. Google ist kein reines Software-Unternehmen mehr.
Die TPU-Dominanz: Durch die Nutzung eigener Tensor Processing Units (TPUs) entgeht Google dem Preiskampf um NVIDIA-Chips. Während Start-ups Milliarden an Hardware-Provider zahlen, optimiert Google die Kosten pro Inferenz (KI-Anfrage) auf ein Niveau, bei dem andere Firmen pleitegehen würden.
Infrastruktur als Waffe: Diese Kosteneffizienz erlaubt es Google, Dienste wie Google AI Plus für aggressive 7,99 Euro anzubieten – ein Kampfpreis, der das 20-Dollar-Standard-Abo der Konkurrenz wie ein Relikt aus der Steinzeit wirken lässt.
3. Das „Trojanische Pferd“ im Büro: Workspace & Cloud
Google hat die KI direkt dorthin gebracht, wo das Geld verdient wird: in die Dokumente der Unternehmen.
- Vertex AI & Enterprise: Das Cloud-Wachstum von 48 % kommt nicht von ungefähr. Unternehmen bauen ihre eigenen Agenten auf Googles Infrastruktur, weil die Integration in Gmail, Docs und Drive bereits steht.
- KI-Anzeigen als Rendite-Turbo: Die Angst, KI würde die Suche zerstören, war unbegründet. KI-gestützte Anzeigen machen nun 35 % des Umsatzes aus. Google liefert nicht mehr nur Links, sondern Lösungen – und lässt sich diese Beratung von Werbetreibenden fürstlich bezahlen.
4. Der Apple-Schachzug: Ein Geniestreich der Distribution
Der Milliardendeal mit Apple war der finale Sargnagel für die Hoffnung der Konkurrenz auf ein schnelles Monopol. Indem Gemini als native Option auf über 2 Milliarden iPhones platziert wurde, hat Google die zahlungskräftigste Zielgruppe der Welt annektiert. Google muss keine Hardware verkaufen, um auf jeder Hardware präsent zu sein.
Fazit: Die „KI-Rente“ ist gesichert
Alphabet hat 2025 die 400-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke geknackt. Google hat bewiesen: Es gewinnt nicht der, der als Erster „Hier!“ ruft, sondern der, der am Ende die beste Infrastruktur besitzt. Google hat die KI-Revolution nicht nur überlebt, sondern sie industrialisiert,
Was denkst du?
Ist die Bequemlichkeit des Google-Ökosystems für dich der entscheidende Faktor, oder legst du Wert auf die „unabhängige“ Intelligenz von OpenAI? Nutzt du Gemini bereits für dein Business?
Lesetipp: Google Gemini – Einstieg und Praxis (Wolfram Gieseke) – Buchankündigung












