begin“ & „end“ statt Klammerchaos: Warum die Eleganz von Pascal & Co. heute schmerzlich fehlt

Gefühlt verfällt die moderne Softwareentwicklung im täglichen Hype-Cycle: Noch ein KI-Agent, die zweihundertste JavaScript-Bibliothek, Gigabyte-schwere Docker-Container für ein einfaches Tool und unleserlicher Code, der vor lauter verschachtelten Klammern kaum noch zu entziffern ist.

Wer in den 80ern und 90ern mit Turbo Pascal, Delphi oder Clipper programmieren gelernt hat, schaut auf diese Entwicklung oft mit einem müden Lächeln – und einer gehörigen Portion Sehnsucht – zurück.

Denn damals galt ein ganz anderes Prinzip: Klarheit, Disziplin und maximale Effizienz.

Typensicherheit & Lesbarkeit: Wenn Code wie eine Sprache gesprochen wird

Erinnerst du dich noch an das erste Mal, als du eine Schleife oder einen Block in Pascal geschrieben hast?

Delphi

if (Klarheit = True) then
begin
SchreibeSauberenCode;
end;

Kein kryptisches Klammern-Wirrwarr, kein Raten, wo ein Block anfängt oder aufhört. begin und end fühlten sich einfach richtig an.

Object Pascal hat gezeigt, dass eine Programmiersprache nicht hochkompliziert aussehen muss, um extrem mächtig zu sein. Es war sauberes Handwerk. Die Typensicherheit hat dir Fehler schon beim Tippen um die Ohren gehauen – nicht erst, wenn die Anwendung beim Kunden abgestürzt ist.

Das F9-Wunder: Als Compilieren noch in Millisekunden ging

Wer heute ein modernes Projekt baut, kennt die Kaffeepausen während des Build-Prozesses. Borland hat uns damals verwöhnt: Wer bei Turbo Pascal oder Delphi auf F9 gedrückt hat, hatte im Bruchteil einer Sekunde eine fertige, native .exe-Datei auf der Festplatte.

Keine Abhängigkeiten, kein Node_modules-Ordner, der schwerer ist als ein schwarzes Loch. Eine Datei. Auf Diskette kopiert. Lief überall.

Auch Tools wie Clipper haben gezeigt, wie mächtig schlichte Eleganz sein kann. Während man heute für eine simple Datenbankanwendung riesige Server-Infrastrukturen hochfährt, hat man mit Clipper, dBase-Dateien und durchdachten Eingabemasken im Handumdrehen rasend schnelle Warenwirtschaftssysteme gestampft, die jahrelang ohne Mucken durchliefen und manchmal heute noch laufen.

Die Rückkehr des Digitalen Handwerks?

Immer mehr Entwickler haben die Nase voll von überladener Software und aufgeblähten Frameworks. Nicht ohne Grund erleben schlanke Sprachen, Native Compilation und „Local-First“-Ansätze gerade eine kleine Renaissance.

Vielleicht müssen wir gar nicht jeden Trend mitmachen. Vielleicht tut es gut, sich wieder auf das zu besinnen, was das Programmieren mal ausgemacht hat: Fokus auf das Wesentliche, blitzschnelle Feedback-Schleifen und Code, den man auch nach drei Monaten noch ohne Kopfschmerzen lesen kann.

Manchmal ist der Schritt zurück zu den Wurzeln eben der beste Schritt nach vorne.

Wie siehst du das? Vermisst du das alte begin und end auch manchmal, oder bist du froh über die modernen Werkzeuge?

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