Ein Video kann technisch perfekt geschnitten sein und trotzdem irgendwie flach wirken. Oft liegt das nicht am Schnitt, sondern an der Farbgestaltung.
Hier kommen Color Grading und LUTs ins Spiel. Beide Begriffe tauchen bei professioneller Videobearbeitung häufig auf, werden aber nicht immer sauber voneinander unterschieden.
Video Pro X18 bietet umfangreiche Werkzeuge für Farbkorrektur und Color Grading und unterstützt außerdem das Importieren und Speichern eigener LUTs.
Was ist Color Grading?
Color Grading bezeichnet die gezielte Gestaltung der Farben und des gesamten visuellen Looks eines Videos.
Dabei kann beispielsweise festgelegt werden, ob eine Szene eher warm oder kühl wirkt, wie stark der Kontrast ausfällt oder welche Farben besonders hervorgehoben werden.
Das Ziel ist nicht unbedingt ein möglichst „buntes“ Bild. Viel wichtiger ist, dass Farben, Kontrast und Helligkeit zur gewünschten Bildwirkung passen.
Color Correction und Color Grading sind nicht dasselbe
Vor dem eigentlichen kreativen Color Grading steht häufig die Farbkorrektur.
Bei der Farbkorrektur geht es darum, technische oder offensichtliche Unterschiede auszugleichen. Beispielsweise können Aufnahmen verschiedener Kameras unterschiedliche Farbstiche oder Helligkeiten besitzen.
Beim anschließenden Color Grading wird daraus ein bewusster visueller Stil.
Einfach gesagt: Farbkorrektur bringt das Bild in einen passenden Ausgangszustand. Color Grading bestimmt anschließend stärker den gewünschten Look.
Was ist eine LUT?
LUT steht für „Look-Up Table“. Eine LUT kann vereinfacht gesagt als eine definierte Farbtransformation betrachtet werden.
Sie kann beispielsweise dazu verwendet werden, einem Bild einen bestimmten Look zu geben oder eine definierte Farbumwandlung vorzunehmen.
Video Pro X18 kann LUTs importieren und exportieren. Eigene LUT-Sammlungen können laut MAGIX in den Effektbereich eingebunden und dort wie integrierte LUTs verwendet werden.
Eine LUT ist kein Zauberfilter
Gerade bei LUTs entsteht schnell der Eindruck, dass man nur eine Datei auf das Video ziehen muss und anschließend automatisch ein professioneller Kinolook entsteht.
So einfach ist es in der Praxis nicht.
Eine LUT funktioniert nur sinnvoll, wenn das Ausgangsmaterial dazu passt. Ein stark über- oder unterbelichtetes Video oder ein falscher Weißabgleich wird durch eine LUT nicht automatisch korrigiert.
Deshalb sollte die technische Farbkorrektur in der Regel vor dem kreativen Look stehen.
Warum LUTs trotzdem praktisch sind
LUTs können eine Menge Arbeit sparen, wenn ein bestimmter Look wiederholt verwendet werden soll.
Das kann beispielsweise bei mehreren Szenen eines Projekts interessant sein. Statt jede Aufnahme komplett neu einzustellen, kann ein definierter Ausgangspunkt geschaffen werden.
Auch bei mehreren Kameras können LUTs Bestandteil eines standardisierten Workflows sein. Die unterschiedlichen Aufnahmen müssen allerdings weiterhin sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.
Color Grading in Video Pro X18
Video Pro X18 bietet laut MAGIX unter anderem 3-Wege-Farbkorrektur, 16-Bit-Deep-Color-Verarbeitung, Belichtungskurven, LAB-Farbanpassung und LUT-Unterstützung. Auch HDR und verschiedene Farbräume werden unterstützt.
Damit lässt sich die Farbgestaltung deutlich detaillierter kontrollieren als mit einfachen Farbfiltern.
Was bringt 16-Bit-Farbverarbeitung?
Video Pro X18 arbeitet beim Color Grading mit 16-Bit-Farbtiefe. Vereinfacht bedeutet eine höhere Farbtiefe, dass für die Berechnung feinere Abstufungen zur Verfügung stehen.
Das kann insbesondere bei stärkeren Korrekturen und anspruchsvollen Grading-Workflows relevant werden.
Allerdings macht eine höhere interne Farbtiefe aus schlechtem Ausgangsmaterial nicht automatisch gutes Material. Aufnahmequalität, Belichtung und Kamera bleiben wichtige Faktoren.
LUTs oder manuelles Color Grading?
Die beiden Ansätze müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Eine LUT kann als Ausgangspunkt für einen Look dienen. Anschließend lassen sich Farben, Helligkeit und Kontrast manuell weiter anpassen.
Wer dagegen nur einen bestimmten Farbton korrigieren möchte, benötigt möglicherweise überhaupt keine LUT.
Für Einsteiger ist deshalb oft sinnvoller, zunächst die Grundlagen von Belichtung, Weißabgleich, Kontrast und Farbbalance zu verstehen.
Wann lohnt sich Color Grading?
Color Grading lohnt sich vor allem dann, wenn die Bildwirkung eine wichtige Rolle spielt oder Aufnahmen aus verschiedenen Quellen miteinander harmonisiert werden müssen.
Bei einem einfachen Urlaubsvideo reichen möglicherweise kleinere Korrekturen völlig aus. Bei einem Imagefilm, Musikvideo, Kurzfilm oder aufwendig produzierten YouTube-Video kann die Farbgestaltung dagegen ein wichtiger Teil des Gesamteindrucks sein.
Mein Fazit
Color Grading ist wesentlich mehr als ein Filter, und auch eine LUT ist kein Knopf für automatisch professionelle Bilder.
Video Pro X18 bietet allerdings die nötigen Werkzeuge, um Farben sehr detailliert zu bearbeiten und eigene LUTs in den Workflow einzubinden. Für Einsteiger lohnt es sich, zunächst mit einfachen Farbkorrekturen zu beginnen. Wer später einen konsistenten Look für mehrere Szenen oder Projekte benötigt, kann LUTs sinnvoll ergänzen.
Gerade die Kombination aus manueller Farbkorrektur und LUTs ist interessant: Die LUT liefert einen definierten Ausgangspunkt, während das eigentliche Finetuning weiterhin in der Hand des Anwenders bleibt.














