RAD Studio bekommt KI-Unterstützung: Was Kai für Delphi- und C++Builder-Entwickler verändert

Wer heute Software entwickelt, kommt an künstlicher Intelligenz kaum noch vorbei. KI-Assistenten schreiben Funktionen, erklären fremden Quellcode und helfen bei der Fehlersuche. Lange Zeit standen dabei vor allem moderne Web-Frameworks und verbreitete Entwicklungsumgebungen im Mittelpunkt. Jetzt erreicht diese Entwicklung verstärkt auch etablierte Werkzeuge wie Delphi, C++Builder und RAD Studio.

Mit Kai bietet Embarcadero einen KI-Assistenten, der direkt in die Entwicklungsumgebung integriert ist. Dabei geht es nicht nur um automatisch ergänzten Quellcode. Kai kann auch Benutzeroberflächen bearbeiten, Projekte kompilieren, Fehlermeldungen analysieren und Entwickler bei der Modernisierung bestehender Anwendungen unterstützen.

Das ist besonders für diejenigen interessant, die seit Jahren mit Delphi oder C++Builder arbeiten und ihre Anwendungen nicht vollständig neu entwickeln möchten, nur um von KI zu profitieren.

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Was ist Kai für RAD Studio?

Kai ist eine KI-gestützte Entwicklungsplattform von Embarcadero für RAD Studio, Delphi und C++Builder. Sie wurde am 28. Mai 2026 offiziell vorgestellt und verbindet klassische Codevervollständigung mit einem KI-Agenten, der Aufgaben innerhalb der Entwicklungsumgebung ausführen kann.

Der Unterschied zu einem gewöhnlichen KI-Chatbot liegt vor allem im Zugriff auf den konkreten Entwicklungsprozess. Statt lediglich einen Codeblock vorzuschlagen, kann Kai den Projektkontext berücksichtigen, Änderungen am Quellcode vornehmen, Oberflächen bearbeiten und den Compiler zur Überprüfung des Ergebnisses einsetzen.

Damit wird die KI stärker in den eigentlichen Entwicklungsablauf eingebunden. Der Entwickler muss nicht ständig zwischen IDE, Browser, Chatfenster und anderen Werkzeugen wechseln.

Weitere Informationen bietet die offizielle Kai-Produktseite von Embarcadero.

Was kann der KI-Assistent konkret?

Kai kombiniert mehrere Funktionen, die unterschiedliche Phasen der Softwareentwicklung abdecken.

1. Quellcode schreiben und vervollständigen

Die KI kann Code direkt im Editor ergänzen, alternative Lösungsvorschläge erstellen und bei der Umsetzung neuer Funktionen helfen. Dafür stehen unter anderem Inline-Vervollständigungen und KI-gestützte Vorschläge innerhalb der vorhandenen Codevervollständigung zur Verfügung.

Das kann beispielsweise hilfreich sein, wenn eine bestehende Delphi-Anwendung um eine neue Funktion erweitert werden soll. Statt eine Routine vollständig von Hand zu schreiben, kann der Entwickler zunächst eine passende Implementierung anfordern und diese anschließend prüfen und anpassen.

Auch beim Verständnis älterer Projekte kann KI unterstützen. Sie kann Code erklären, Zusammenhänge aufzeigen und mögliche Ansatzpunkte für eine Überarbeitung nennen.

2. Formulare und Benutzeroberflächen bearbeiten

Besonders interessant ist die Integration in den visuellen Entwicklungsprozess von RAD Studio.

Delphi und C++Builder sind traditionell eng mit visuellen Designern verbunden. Entwickler erstellen Formulare, platzieren Steuerelemente und verbinden diese mit dem Programmcode. Kai kann diesen Ansatz aufgreifen und bei der Erstellung oder Überarbeitung von Benutzeroberflächen helfen.

Denkbar sind beispielsweise Anpassungen an der Anordnung von Eingabefeldern, eine übersichtlichere Gruppierung von Bedienelementen oder die Modernisierung älterer Windows-Oberflächen.

Gerade bei gewachsenen Geschäftsanwendungen kann das viel Handarbeit bedeuten. Eine Anwendung funktioniert möglicherweise seit Jahren zuverlässig, sieht aber nicht mehr zeitgemäß aus. Wenn die KI bei der Überarbeitung der Oberfläche hilft, ohne dass dafür die gesamte Geschäftslogik neu geschrieben werden muss, ergibt sich ein konkreter praktischer Nutzen.

Wichtig bleibt allerdings eine klare Aufgabenstellung. Wer nur allgemein verlangt, eine Oberfläche moderner zu gestalten, riskiert unerwünschte Änderungen. Sinnvoller ist es, genau festzulegen, welche Elemente verändert werden dürfen und welche Funktionen unverändert bleiben müssen.

3. Projekte kompilieren und Fehler analysieren

Eine der interessantesten Funktionen ist die Verbindung zwischen KI und Compiler.

Bei kompilierten Programmiersprachen wie Delphi und C++ reicht es nicht, dass ein Codevorschlag auf den ersten Blick plausibel aussieht. Das Projekt muss erfolgreich übersetzt werden. Anschließend muss die Anwendung auch zur Laufzeit korrekt funktionieren.

Kai kann Projekte kompilieren, Compiler-Ausgaben auswerten, Fehler untersuchen und Korrekturen vorschlagen. In entsprechenden Arbeitsabläufen kann die KI Änderungen vornehmen und den Build erneut ausführen.

Das ermöglicht einen Ablauf, bei dem die KI nicht nur Code produziert, sondern ihr Ergebnis anhand der tatsächlichen Compiler-Rückmeldungen überprüft.

Allerdings ist ein erfolgreicher Build kein Beweis für fehlerfreie Software. Logische Fehler, Sicherheitsprobleme, unvollständige Geschäftsregeln oder Probleme, die erst unter bestimmten Bedingungen auftreten, können weiterhin bestehen. Tests und eine fachliche Kontrolle bleiben deshalb notwendig.

4. Bestehende Delphi-Anwendungen modernisieren

Viele Entwickler arbeiten nicht ausschließlich an neuen Projekten. Gerade im Delphi-Umfeld existieren zahlreiche Anwendungen, die über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind und weiterhin produktiv eingesetzt werden.

Eine vollständige Neuentwicklung wäre häufig teuer und riskant. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, einzelne Programmteile zu überarbeiten, die Benutzeroberfläche anzupassen oder den Quellcode besser wartbar zu machen.

Hier setzt Kai ebenfalls an. Der Assistent kann bestehenden Code analysieren, Refactoring-Vorschläge machen und bei der Modernisierung von Anwendungen unterstützen.

Das ist kein automatischer Ersatz für eine sorgfältige Migration. Es eröffnet aber die Möglichkeit, einzelne Aufgaben schneller anzugehen und den Aufwand für die Analyse älterer Codebestände zu reduzieren.

Warum die Integration in die IDE entscheidend ist

Viele Entwickler kennen den bisherigen Arbeitsablauf mit externen KI-Diensten: Man kopiert eine Funktion in einen Chat, beschreibt das Problem, erhält einen Vorschlag und überträgt diesen anschließend zurück in die Entwicklungsumgebung.

Bei kleinen Aufgaben funktioniert das durchaus gut. Sobald ein Projekt jedoch aus zahlreichen Dateien, Formularen, Abhängigkeiten und speziellen Build-Einstellungen besteht, stößt dieses Vorgehen an Grenzen.

Ein integrierter KI-Agent kann den Projektkontext besser einbeziehen und mehrere aufeinanderfolgende Schritte miteinander verbinden. Bei Kai kommen dafür unter anderem Schnittstellen auf Basis des Model Context Protocol (MCP) zum Einsatz.

Der praktische Vorteil liegt damit nicht allein in der Qualität einzelner Codevorschläge. Entscheidend ist, dass sich mehrere Arbeitsschritte zusammenhängend bearbeiten lassen.

Für Entwickler, die täglich mit RAD Studio arbeiten, könnte das die Zusammenarbeit mit KI deutlich komfortabler machen.

Welche KI-Modelle unterstützt Kai?

Embarcadero setzt bei Kai nicht ausschließlich auf ein einziges KI-Modell. Je nach Konfiguration können unterschiedliche Anbieter und Modelle eingebunden werden. Dazu gehören unter anderem Lösungen aus dem OpenAI- und Anthropic-Umfeld sowie Google Gemini und lokale Modelle.

Kai unterstützt außerdem verschiedene Integrationswege, darunter GitHub Copilot und lokale KI-Umgebungen wie Ollama und LM Studio. Welche Möglichkeiten konkret verfügbar sind, hängt von der jeweiligen Version und Konfiguration ab.

Das ist aus zwei Gründen interessant.

Erstens können Entwickler für unterschiedliche Aufgaben verschiedene Modelle verwenden. Eine schnelle Codevervollständigung stellt andere Anforderungen als die Analyse einer umfangreichen Anwendung.

Zweitens eröffnet die Unterstützung lokaler Modelle zusätzliche Möglichkeiten für datenschutzbewusste Entwicklungsumgebungen. Wenn ein geeignetes Modell lokal ausgeführt wird, können Quellcode und Anfragen innerhalb der eigenen Infrastruktur bleiben.

Allerdings sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass jede Funktion mit jedem Modell verfügbar ist. Auch die Qualität lokaler Modelle kann je nach Hardware, Modellgröße und Aufgabe deutlich variieren.

Wer beruflich mit vertraulichem Quellcode arbeitet, sollte deshalb vor der Nutzung prüfen, welches Modell tatsächlich verwendet wird, wohin Daten übertragen werden und welche Einstellungen für die jeweilige Integration gelten.

Ist Kai auch für kleinere Entwickler interessant?

Nicht jeder Entwickler arbeitet in einem großen Softwareunternehmen. Delphi und C++Builder werden auch von Einzelentwicklern, kleinen Softwarefirmen und Selbstständigen eingesetzt.

Für diese Zielgruppe kann ein integrierter KI-Assistent besonders interessant sein. Wenn eine Person sowohl die Programmierung als auch die Wartung, Fehleranalyse und Weiterentwicklung einer Anwendung übernimmt, können zeitraubende Routinearbeiten schnell zum Engpass werden.

Kai könnte beispielsweise helfen, vorhandenen Code schneller zu verstehen, neue Funktionen vorzubereiten oder wiederkehrende Anpassungen an Formularen effizienter umzusetzen.

Ob sich daraus eine messbare Produktivitätssteigerung ergibt, hängt allerdings vom jeweiligen Projekt ab. Wer überwiegend sehr spezielle Geschäftslogik entwickelt oder mit umfangreichen eigenen Komponenten arbeitet, muss die Ergebnisse möglicherweise stärker kontrollieren als jemand, der überwiegend standardisierte Aufgaben erledigt.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt: Kai ist nicht einfach mit jeder vorhandenen RAD-Studio-Lizenz automatisch dauerhaft und uneingeschränkt verfügbar. Lizenzmodell, Wartungsstatus und die verfügbaren Testmöglichkeiten sollten vor einer Entscheidung geprüft werden.

Welche Grenzen hat die KI-gestützte Entwicklung?

Bei aller Begeisterung für neue Funktionen sollte man die Möglichkeiten realistisch einordnen.

KI-Assistenten können Code erzeugen, vorhandene Strukturen analysieren und bei der Fehlersuche helfen. Sie verstehen jedoch nicht zwangsläufig sämtliche fachlichen Anforderungen einer Anwendung. Auch Änderungen, die technisch korrekt erscheinen, können unerwartete Auswirkungen auf andere Programmteile haben.

Das gilt insbesondere für ältere Anwendungen mit historisch gewachsenen Abhängigkeiten. Hier können vermeintlich einfache Anpassungen Auswirkungen auf Datenbanken, Schnittstellen oder etablierte Arbeitsabläufe haben.

Deshalb empfiehlt es sich, Änderungen zunächst in einer separaten Entwicklungsumgebung zu testen, die Versionsverwaltung konsequent einzusetzen und kritische Funktionen durch automatisierte oder manuelle Tests abzusichern.

Auch die Datenschutzfrage verdient Aufmerksamkeit. Die Möglichkeit, lokale Modelle einzusetzen, ist ein Vorteil, ersetzt aber nicht die Prüfung der konkreten Konfiguration und der tatsächlich verwendeten Dienste.

KI ist damit ein Werkzeug zur Unterstützung der Entwicklung, aber kein Ersatz für technische Verantwortung.

Mein Fazit: Auch klassische Entwicklungsumgebungen profitieren von KI

Mit Kai zeigt Embarcadero, dass KI-gestützte Entwicklung längst nicht mehr auf moderne Webtechnologien oder separate Programmiereditoren beschränkt ist. Gerade die Integration in RAD Studio ist interessant, weil sie Quellcode, visuelle Formulargestaltung und Build-Prozess miteinander verbindet.

Für Delphi- und C++Builder-Entwickler kann das vor allem bei der Pflege bestehender Anwendungen, bei Routineaufgaben und bei der schrittweisen Modernisierung älterer Software einen praktischen Nutzen haben.

Besonders positiv ist die Möglichkeit, unterschiedliche KI-Modelle einzubinden und bei entsprechender Konfiguration auch lokale Modelle zu verwenden. Das schafft mehr Spielraum bei Kosten, Leistung und Datenschutz.

Ob Kai die eigene Arbeit tatsächlich beschleunigt, sollte man anhand eines realen Projekts ausprobieren. Entscheidend ist nicht, wie beeindruckend eine KI einen Codeblock erzeugt, sondern ob sie im konkreten Entwicklungsalltag zuverlässig brauchbare Ergebnisse liefert.

Für Entwickler, die mit Delphi oder C++Builder arbeiten, ist Kai deshalb eine interessante Entwicklung. Die klassische RAD-Entwicklung verschwindet nicht – sie erhält zusätzliche Werkzeuge, mit denen sich vorhandene Stärken möglicherweise effizienter nutzen lassen.

Weiterführende Informationen: Kai für RAD Studio, Delphi und C++Builder bei Embarcadero.

Hinweis: Funktionsumfang, Modellunterstützung und Lizenzbedingungen können sich mit neuen Versionen ändern. Vor dem produktiven Einsatz empfiehlt sich ein Blick in die aktuelle Dokumentation von Embarcadero.

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