Wer aktuell auf der Suche nach einem neuen Notebook von Acer oder Asus ist, reibt sich verwundert die Augen: Die offiziellen Online-Shops in Deutschland wie hier von ACER sind offline oder zeigen nur noch Zubehör an. Der Grund ist kein technischer Fehler, sondern ein heftiger juristischer Schlagabtausch mit einem alten Bekannten: Nokia.
Was ist passiert? Warum kann ich keine Acer oder Notebooks mehr im deutschen Store kaufen?
Das Landgericht München I hat Mitte Februar 2026 entschieden, dass Acer und Asus Patente von Nokia verletzen. Dabei geht es nicht um Mobilfunk, wie man bei Nokia vielleicht vermuten würde, sondern um Videotechnik. Konkret dreht sich alles um den HEVC-Standard (H.265).
Dieser Videocodec ist quasi das Rückgrat moderner Computer: Er sorgt dafür, dass hochauflösende Videos (wie 4K-Streams auf YouTube oder Netflix) effizient komprimiert werden, ohne dass die Qualität leidet. Nokia hält hier entscheidende Patente, die für diesen Standard essenziell sind.
Der Kern des Streits: Was ist „fair“?
Eigentlich müssen solche „standardessenziellen Patente“ (SEPs) zu sogenannten FRAND-Bedingungen lizenziert werden. Das steht für:
- Fair
- Reasonable (Angemessen)
- And Non-Discriminatory (Diskriminierungsfrei)
Nokia sagt: „Wir haben Milliarden in Forschung investiert und wollen fair bezahlt werden.“ Acer und Asus hingegen werfen Nokia vor, überzogene Forderungen zu stellen. Während andere Hersteller wie Hisense erst vor Kurzem eingelenkt und eine Lizenz erworben haben, haben Acer und Asus den Rechtsweg gewählt – und vorerst verloren.
Die harten Fakten: Das Verbot im Detail
Das Urteil hat drastische Auswirkungen auf den deutschen Markt:
- Verkaufsverbot: Acer und Asus dürfen betroffene Geräte (fast alle modernen Laptops und PCs) in Deutschland nicht mehr anbieten, importieren oder verkaufen.
- Webseiten-Blackout: Um Bußgelder zu vermeiden, haben beide Hersteller ihre deutschen Webpräsenzen weitgehend deaktiviert oder auf Wartungsmodus geschaltet.
- Nur noch Restbestände: Der Einzelhandel (Amazon, MediaMarkt, Notebooksbilliger etc.) darf vorhandene Lagerware zwar noch abverkaufen, bekommt aber aktuell keinen Nachschub mehr von den Herstellern.
Wichtig zu wissen: Bereits gekaufte Geräte sind davon nicht betroffen. Du kannst dein Acer- oder Asus-Notebook also ganz normal weiter nutzen und bekommst auch weiterhin Software-Updates.
Wie geht es weiter mit Acer / Asus Notebooks & PCs ?
Acer hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen. Doch bis eine neue Entscheidung fällt, könnte es Monate dauern. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Parteien hinter verschlossenen Türen auf eine Lizenzgebühr einigen – so wie es Nokia zuvor schon bei Oppo, Vivo und Lenovo durchgesetzt hat.
Bis dahin wird die Auswahl im Notebook-Markt in Deutschland spürbar kleiner. Wenn du also ein spezifisches Modell im Auge hast, das bei einem Händler noch auf Lager ist, solltest du eventuell schneller zuschlagen als geplant.
Hersteller wie HP, Lenovo oder Apple sind von diesem Patentstreit nicht betroffen, da diese entsprechende Patentlizenzverträge abgeschlossen haben, zudem ist HP und vermutlich andere Hersteller zudem Ende 2024 dem sogenannten HEVC Advance Patent Pool beigetreten, einer Sammelstelle“ für Patente. Unternehmen zahlen dort einen festen Betrag und erhalten im Gegenzug die Erlaubnis, Tausende von Patenten verschiedener Firmen (darunter auch Videocodecs) gleichzeitig zu nutzen.
Acer und Asus haben sich gegen diesen Weg entschieden, woraus sich eben jetzt im Rahmen dieses Patentstreits ein Verkaufsstop ergibt, da Nokia eben vor Gericht erfolgreich war, zumindest im Moment.












